„Apple und PayPal würden zusammen den mPayment-Markt revolutionieren“

München, 17.02.2014. Der elektronische Geldbeutel hat sich noch nicht durchgesetzt. Rund 21 Mio. Smartphone-Besitzer interessieren sich jedoch laut einer goetzpartners Studie für das mobile Bezahlen. Eine gemeinsame Lösung von Apple und PayPal hätte die Chance, einen mPayment Standard zu setzen.

mPayment, das mobile Bezahlen per Handy, hat sich noch nicht durchgesetzt. Während schon jeder zweite Smartphone-Besitzer mehrmals pro Jahr mit dem Handy online einkauft, hat bisher nur jeder Fünfte im stationären Handel mit seinem Smartphone bezahlt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie „Verhilft die Mobile Wallet mPayment zum Durchbruch? Erfolgsstrategien für Marktteilnehmer auf Basis aktueller Verbraucherwünsche“ des Beratungsunternehmens goetzpartners und des ECC Köln. Der Grund für die Zurückhaltung der Konsumenten liegt heute in der geringen Akzeptanz von mPayment- oder mWallet-Lösungen im stationären Handel. Laut goetzpartners Studie beklagen 63 Prozent der potentiellen Nutzer dies. Die Nachfrage für mobiles Bezahlen ist mit rund 21 Mio. potentiellen Kunden ausreichend vorhanden: 56 Prozent der Befragten Smartphone-Besitzer haben Interesse am Bezahlen mit dem Handy.

Ein Standard hat sich bislang noch nicht etabliert. Viele verschiedene Anbieter aus Technologie, Finanzindustrie, Telekommunikation und Handel bieten Lösungen an, die verschiedene Stärken und Schwächen haben. Eine genaue Analyse liefert die goetzpartners Studie.

Das Rennen könnte sich allerdings schnell entscheiden, wenn sich die Gerüchte laut re/code bewahrheiten sollten, und Apple und PayPal im Bereich mPayment zusammenarbeiten. Marcus Worbs, Partner bei dem Beratungsunternehmen goetzpartners: „Apple und Paypal ergänzen sich perfekt und könnten gemeinsam den mPayment-Markt revolutionieren. Apple stellt mit dem iphone 5s die geeignete Hardware mit Fingerabdrucksensor und bringt mehr als 500 Mio. iTunes-Kunden mit, PayPal liefert neben rund 123 Mio. Nutzern die Kompetenz in der Bezahlabwicklung und eine hohe Vertrauenswürdigkeit.“ (Siehe Abbildung 1)

Komplementäre Kompetenzen von Apple und PayPal gleichen individuelle Schwächen aus

Auch PayPal und Apple sind mit eigenen, sehr unterschiedlichen Lösungen und mäßigem Erfolg im mobilen Markt aktiv. Ihre bestehenden Kompetenzportfolios zu verbinden, ist aus unserer Sicht sinnvoll, da sie sich sehr gut ergänzen. Denn während PayPal bisher vollständig auf den Zahlungsverkehr setzte, bietet Apple bisher eine Passbook-Funktion ohne Payment-Option an. Zusammen könnte ein attraktives mWallet-Produkt angeboten werden, das auf eine stärkere Nachfrage beim Kunden als die beiden Einzelangebote stoßen könnte. Zudem könnte Apples breite Kundenbasis, bestehend aus Technologie-affinen Early Adaptors hilfreich sein, um den Durchbruch mobiler Zahlungswege beim Konsumenten zu forcieren.

Durch die Kooperation könnte eine der Hauptschwächen bisheriger mobiler Lösungen weitestgehend behoben werden. Derzeit sind diese nur eingeschränkt in verschiedenen Kanälen, insbesondere am stationären POS, nutzbar. Durch Kombination der weitreichenden und im Online-Markt bewährten Zahlungsinfrastruktur von PayPal mit der eigenen Handelsstruktur, dem direktem Kundenzugang sowie den innovativen Endgeräten von Apple, wäre ein weitreichendes Angebot umsetzbar.

Darüber hinaus kompensiert PayPal die mangelnde Glaubwürdigkeit in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit im Zahlungsverkehr, die Technologiekonzerne wie Apple mit sich bringen. Denn während nur knappe 24% der deutschen Konsumenten Technologiekonzerne als vertrauenswürdig einstufen, ist PayPal eine Ausnahmeerscheinung, die als Zahlungsoption nicht nur am weitesten verbreitet ist (46%), sondern auch in puncto Glaubwürdigkeit mit über 72% die mit Abstand vertrauenswürdigste Lösung ist. (Abbildungen 1 und 2).

Abschließend kommt hinzu, dass sich beide Unternehmen bereits dadurch kennen, dass PayPal als Zahlungsweg bereits im Mai 2013 in den iTunes-Store neben Kreditkarten eingebunden wurde. Die geplante Kooperation könnte somit darauf aufbauen.

BLE könnte sich als Lead-Technologe für mobilen Zahlungsverkehr gegen NFC durchsetzen

Bereits vor Monaten zeichnete sich ab, dass sich Apple und PayPal von den bisherigen, wenig erfolgreichen Standards, NFC und QR absetzen werden. Das iPhone 5s wurde wieder nicht mit der Nearfield Communication-Technologie (NFC) ausgestattet. Beide Unternehmen führen mit PayPal Beacon und Apple iBeacon eine auf der Bluetooth Low Energy-Technologie (BLE) basierende Technologie ein, mit Hilfe derer innerhalb von Gebäuden Daten oder Steuerungsbefehle mit Smartphones ausgetauscht werden können. Da BLE die Möglichkeit bietet, das Einkaufserlebnis noch stärker zu personalisieren (z.B. über den automatischen Checkout), deutlich geringere Investitionen an den stationären POS erfordert als beispielsweise eine NFC-Aufrüstung und zudem auch auf älteren Mobilgeräten, die über eine Bluetooth-Schnittstelle verfügen, nutzbar wäre, ist es wahrscheinlich, dass eine höhere Penetration erzielt wird, als mit den bisherigen Technologien. Werden PayPal und Apple also ihre Stärken ausnutzen und eine nutzerfreundliche und sichere Lösung auf Basis von BLE erstellen, könnte so die bisher in dem Markt fehlende Lead-Technologie etabliert werden.

Ausblick

„Aus meiner Sicht wäre eine Partnerschaft zwischen Apple und PayPal sehr sinnvoll und könnte schnell Standards im mPayment schaffen und eine große Menge an Kunden für sich gewinnen“, so Worbs. „Es ist spannend zu sehen, ob Apple sich entgegen bisheriger Gepflogenheiten auf eine Partnerschaft einlassen wird oder wie bisher versucht, den Markt alleine zu erobern. Das erscheint mir schwierig: Denn wenn die Konkurrenz um Google, Telekommunikationsunternehmen und der Finanzindustrie reagiert und sich zusammenschließt, könnten sie den Standard im mPayment setzen.“

 

Die vollständige Studie finden Sie in unserem Publikationsbereich